Phenomenon-based Learning kann auch im Freien stattfinden

Schulsystem im Wandel

Warum Phenomenon-based Learning den Weg zur Digitalisierung ebnet

Das Thema Lernen beschäftigt uns bei BuGaSi täglich. Deshalb kamen wir in den letzten Tagen auch nicht um den Begriff Phenomenon-based Learning herum. Was ist das genau, fragen Sie? Phänomen-Unterricht, wird es bei Tagesschau und Spiegel Online genannt. Oh halt, da ist wohl ein Missgeschick beim Übersetzen passiert. Jedenfalls klingt das irgendwie sehr irreführend. Denn man spricht im Deutschen vielmehr vom Projektunterricht, als von Phänomen-Unterricht. Und schon klingt das ganze gar nicht mehr so suspekt.

Wieso dieses „Phänomen“ nun in aller Munde ist, können uns die Finnen beantworten. Mit den Ergebnissen der aktuellen PISA-Studie ( hier der Selbsttest), bei der die Skandinavier bekanntermaßen immer recht gut abschnitten, führen sie nun ihr neues Schulsystem ein. In Finnland gibt es nämlich das, was in Deutschland bisher undenkbar scheint: Es gibt eine Schulreform, die sich gewaschen hat! Es geht ans Eingemachte, an das was bisher Schule ausgemacht hat. Es werden nämlich Fächer (bis 2020) abgeschafft und SchülerInnen reden sogar bei der Benotung mit.

Das ist wirklich revolutionär, seit es staatlich organisierte Bildungssysteme gibt! Ob man das Abi nun in 12 oder 13 Jahren abschließt, oder ob man die Schulformen bündeln sollte oder nicht – Das sind Fragen an ein eingestaubtes veraltetes Schulsystem. Dabei geht es heute nicht mehr darum was mit Standardmethoden und Standardbewertung an einen Schüler vermittelt werden kann und welches Standardwissen dabei herausspringt. Die Bildung des 21. Jahrhunderts hat andere Ansprüche, als zur Zeit ihrer Entwicklung. Damals ging es darum, die Massen für eine industrialisierte Gesellschaft zu formen. Gute Schulbildung führte zu einem guten Job. Aber es hat sich auf dem Arbeitsmarkt seitdem einiges geändert, im Schulsystem hingegen nicht.

Experten raten zur Revolution des Schulsystems

Besonders gut ist das in dem Youtube-Video von RSA ANIMATE veranschaulicht. Das ist zwar in Englisch, aber es enthält so viele Informationen, dass man es sich ohne weiteres mehrmals anschauen kann. Kernaussage ist: Unsere Bildungssysteme brauchen eine Verbesserung. Und zwar eine in der es nicht um Faktenwissen und Standardisierung geht, sondern darum, Informationen zu verarbeiten und in Zusammenhang zu bringen. Statt der Inhalte stehen Fähigkeiten und Lernprozesse im Mittelpunkt.

Wer sich lieber ein Video in deutscher Sprache zu Gemüte führen will, dem sei ein Vortrag von Richard David Precht ans Herz gelegt. Er beschreibt ebenfalls, warum es eine echte Schulreform braucht, bei der nicht nur an Schönheitsfehlern des alten herumgekratzt wird. Dass wir Menschen mit einem kritischen Geist und gestärkten Talenten heranziehen wollen. Kreative, kommunikative, nachhaltige, international gerichtete Charaktere die ein erfülltes Leben selbstbestimmt gestalten können.

Wie Finnland mit gutem Beispiel voran geht

In Finnland sollen die SchülerInnen bald in Projekten sehr selbstbestimmt lernen. Es gibt statt der klassischen Fächer eher Themengebiete, die behandelt werden. Natürlich werden noch die Grundlagen wie Lesen, Schreiben, Rechnen gelehrt. Aber darüber hinaus entsteht ein Unterricht, der viel interessen- und personenbezogener ist. SchülerInnen haben beispielweise mehr Mitspracherecht bei der Herangehensweise an ein Thema. Geht es um die Antike, können Sie etwa eine Gruppenarbeit über Olympia machen oder zu archäologischen Ausgrabungen. So kann sich der Unterricht zwischen zwei Projektgruppen bereits sehr unterscheiden, auch wenn das Thema um denselben Inhalt kreist.

Beim Schreiben sollen die Kinder zukünftig die Tastatur benutzen. Oder wenn die technische Ausstattung das nicht hergibt, stattdessen in Druckschrift schreiben und sich nicht mit Schreibschrift Üben aufhalten. Generell nehmen neue Technologien einen anderen Stellenwert ein. Der Umgang damit ist ein zentraler Punkt auf dem Lehrplan. Ja, den Lehrplan gibt es noch. Wenn natürlich auch abgewandelt. Darauf stehen Kompetenzbereiche wie Kulturen kennenlernen, Beherrschen der Informationstechnologien, umfassende Recherchefähigkeit, Arbeitswelt und Unternehmertum und Nachhaltigkeit. Dinge die das Leben heute ausmachen.

Wer Spaß am Lernen hat, merkt sich auch etwas

Statt Frontalunterricht gibt es vermehrt Arbeitsgruppen. Und die müssen nicht einmal unbedingt im Klassenzimmer sitzen, sondern können sich auch draußen bewegen. Und sie dürfen sogar Spaß haben! Neue Technologien sollen eine zentrale Rolle spielen, um auf die Digitalisierung, höhere Bildung und die sich schnell wandelnde Arbeitswelt vorbereitet zu sein. Dafür werden auch viele neue Methoden des online Lernens und Game-based Learning implementiert.

Es ist vorstellbar, dass auch computergestützte Planspiele, Online-Simulationen oder managed learning, wie wir sie entwickelt haben, erfolgreich in den Schulalltag integriert werden. Denn Social Skills, Projektmanagement und natürlich neue Technologien gehören zu unseren Kernkometenzen. Jedenfalls werden wir die Entwicklungen in Finnland gespannt verfolgen und hoffen, dass sich deutsche Bildungsbeauftragte inspirieren lassen.


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One thought on “Schulsystem im Wandel

  1. […] In Finnland gibt es nämlich das, was wir aus den oben genannten Gründen dringenst bräuchten: Eine echte Schulreform. […]

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