inverted classroom bedeuted zu Hause lernen und im Unterricht vertiefen.

Inverted Classroom: Blended Learning in Schule und Studium

Die Rolle der Lehrenden wandelt sich

Das Lernen wird den Lernenden zurückgegeben

Die letzten Jahre haben einige Modernisierungen in der Lehre mit sich gebracht. Und auch im neuen Jahr ist kein Ende in Sicht. Viele, die sich durch die Schule gequält haben, dürfte das freuen. Auch während der Ausbildung, oder in der Uni halten nicht immer alle mit. Jedem sei ein laues Studentenleben, bei dem auch die Studienzeit ruhig mal überschritten werden darf, vergönnt… Jedoch zeigen Umfragen, dass viele Studenten gar nicht faulenzen, sondern 53% unter Stress leiden. Sogar ein wenig mehr als Berufstätige (da sind es etwa 50%).

Es ist ja schon lange bekannt, dass Menschen unterschiedliche Interessen und Auffassungsgabe haben. Noch dazu hat nicht jeder bereits seine perfekte Lernmethode für sich entdeckt. Auch Medien werden unterschiedlich rezipiert. Manch jemand kann sich etwas besser merken, wenn er es liest, ein anderer wenn er es sieht, oder hört. Viele verinnerlichen neue Erkenntnisse am besten, indem sie das Gelernte in eigenen Worten wiedergeben, oder noch besser es selbst ausprobieren: Learning by doing.

Viele Lern- und Lehrinnovationen werden häufig noch skeptisch betrachtet. Dabei bieten vor allen Dingen Neuerungen die durch die Digitalisierung möglich wurden, eine individuelle Förderung. Also genau das was man seinem Kind in der Schule oder Uni, oder sich selbst am Arbeitsplatz wünscht. Eine dieser Methoden ist der Inverted Classroom bzw. Flipped Classroom. Zu Deutsch: der Umgedrehte Unterricht.

Kurze Einführung in die Materie „Inverted Classroom“

Wir alle kennen den klassischen Unterricht: In der Schule bzw. Hochschule wird neuer Stoff gelehrt, dann gibt es Hausaufgaben und Hausarbeiten, um das neu Erlernte anzuwenden. Der Erfolg ist durchwachsen, denn nicht alle kommen im Unterricht gleichmäßig mit. Oft muss der Lehrer oder Dozent ein und denselben Sachverhalt mehrfach erklären, was einem Teil der Schüler nutzt, die anderen nur langweilt. Hausaufgaben, bei denen Fragen aufkommen werden wiederum oft nicht zu Ende gemacht, da niemand vor Ort ist, der Fragen beantworten und helfen könnte.

Beim Inverted Classroom findet die Wissensvermittlung zu Hause (oder wo es dem Lernenden am liebsten ist) statt. Über Screencasts, Podcasts, digitale Skripte, aber vor allen Dingen Lernvideos. Der Dozent erklärt hier in recht kurzen Sequenzen (da die Aufmerksamkeit nach etwa 6 Minuten sowieso flöten geht) den neuen Lernstoff. Dabei kann auf bereits veröffentlichte Videos verwiesen werden, wenn der Stoff aufeinander aufbaut. Aber der Zuschauer kann auch eigenmächtig beliebig oft vor- und zurückspulen, falls beim ersten Anschauen etwas unklar geblieben ist.

Lehren heißt mehr moderieren statt dozieren

Die Zeit bei der Präsenzveranstaltung kann dann für vertiefende Aufgaben, oder offene Fragen genutzt werden. Der Dozent kann dabei auch Verantwortung an leistungsstarke Studenten abgeben, die Lernschwächeren helfen (dabei aber nie genaue Videoinhalte wiedergeben. Das Konsumieren und Verarbeiten dieser Videos muss den Lernenden schon selbst überlassen werden). Es kann ein aktives Plenum geben, bei dem beispielsweise unterschiedliche Lösungswege analysiert werden. Ein Schüler- oder Studententeam kann moderieren, der Dozent wird eher zum Beobachter oder Ratgeber.

Die Methode steckt noch in den Kinderschuhen und muss sich bei Kritikern nicht nur gegen die Jahrhunderte alte Tradition des Frontalunterrichts durchsetzen. Es treten bei der Umsetzung auch stetig Probleme und Fehler auf, wie es bei der Entwicklung neuer Methoden nun mal vorkommen kann. Seit 2012 findet einmal jährlich findet die ICM-Konferenz in Marburg statt, bei der es um die Entwicklung des  Inverted Classroom im deutschsprachigen Raum geht. Viele Lehrer, die nach diesem Konzept unterrichten, teilen ihre Erfahrungen in Blogs oder auf ihren Websites mit. Hier zieht zum Beispiel der Mathelehrer Sebastian Schmidt Resumee über seine ersten 2 1/2 Jahre Flipped Classroom.

Ist der Inverted Classroom wirklich besser als klassischer Unterricht?

Natürlich gibt es nicht nur Vorteile. Die Aufbereitung des Lernmaterials ist für den Dozenten sehr aufwändig. Dreht man den Unterricht komplett (es gibt auch durchmischte Modelle, aus klassischem und umgedrehten Unterricht), müssen für jede Unterrichtseinheit ein bis zwei Videos oder ähnliches digitales Material erstellt werden. Außerdem müssen technische Voraussetzungen gegeben sein: Jeder Schüler braucht einen heimischen Internetzugang, die entsprechende Hardware und muss die Videos natürlich auch vor dem Unterricht ansehen. Es bedarf einer hohen Selbstlernmotivation.

Um die Selbstlernphase zu unterstützen, hilft eine inhaltlich klare Stukturierung des Materials. Zudem kann man Zusatzmaterialien zur Verfügung stellen, Lückentexte und automatisch auswertbare Übungsaufgaben anbieten und Links setzen. Gamification-Elemente beispielsweise ein Highscore-System, oder Quizze sind ebenfalls beliebte Anreizsysteme. Mit Professor Roland Böttcher haben wir einen großen Fürsprecher von Lernmanagement-Systemen (LMS) in unserem Team. Er praktiziert Elemente des Inverted Classroom bereits seit einiger Zeit mit Hilfe des LMS Moodle in seinen Vorlesungen und macht positive Erfahrungen mit dessen Anreizsystemen und  Kommunikationskanälen.

Zusammenfassend kann man folgende Vorteile festhalten: Einmal erstellte Lernmaterialien können wiederverwendet, oder leicht angepasst werden. Zudem können mit Kopfhörern sogar im Unterricht Videos konsumiert werden, ohne dass sich andere gestört fühlen. Die Studierenden bestimmen ihr Lerntempo und ihre Lernstrategie selbst. So kann auch heterogenes Vorwissen im Unterricht besser ausgeglichen werden. Durch die neue Struktur der Präsenzphase, können Themen individuell vertieft oder Probleme kollaborativ gelöst werden. Das fördert auch die Kommunikation der Gruppe und das Kompetenzgefühl des Einzelnen.

Die (Erfolgs-)Geschichte des Inverted Classroom

Abschließend gibt diese Infografik von Knewton einen Überblick über die Entwicklung des Inverted Classroom:

Flipped Classroom

 


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One thought on “Inverted Classroom: Blended Learning in Schule und Studium

  1. […] einiger Zeit habe ich mal einen Bericht zum Flipped bzw. Inverted Classroom geschrieben. Da ich mit Prof. Dr. Böttcher gerade an einem Artikel über die Konzeptionierung von […]

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