BuGaSi erklärt warum der Flipped Classroom bzw. Inverted Classroom in der Erwachsenenbildung sinnvoll ist

Inverted Classroom in der Erwachsenenbildung

Wieso ICM kein Kinderkram ist

Vor einiger Zeit habe ich mal einen Bericht zum Flipped bzw. Inverted Classroom geschrieben. Da ich mit Prof. Dr. Böttcher gerade an einem Artikel über die Konzeptionierung von Lernstrecken arbeite, fällt mir mehr und mehr auf, dass wir intuitiv das ICM (Inverted Classroom Model) in unseren Lernstrecken umsetzen. Das mag überraschen, da die Pioniere unter den ICM-Vertretern vor allem aus dem schulischen Umfeld und nicht aus der Erwachsenenbildung kommen. Und weil man für den Inverted Classroom doch Präsenzveranstaltungen braucht.

Zur Erinnerung:

Beim Klassischen Unterricht wird Lerninhalt von einer Lehrperson an eine große Gruppe vermittelt, die Lernenden sind dabei eher passiv in der Zuhörerrolle (von kleinen modernen Ausnahmen, wie Gruppen- oder Projektarbeiten mal abgesehen). Zuhause soll er das Gelernte vertiefen, anwenden, verstehen – hier findet seine aktive Lernphase statt.

Beim Inverted Classroom (zu Deutsch: Umgedrehter Unterricht) rezipiert der Lernende alleine Zuhause neuen Lernstoff, den er vom Lehrer als Video oder in anderer medialer Form bereitgestellt bekommt. Die aktive Lernphase tritt dann ein, wenn die Gruppe zusammenkommt. Es wird gemeinsam geübt und verinnerlicht, was man an anderem Ort erstmals gehört hat. Fragen werden geklärt, die Lernperson steht helfend zur Verfügung.

Das klingt phantastisch, finde ich! Immerhin ist es nicht selbstverständlich, dass viele Menschen sich aufraffen zur selben Zeit am selben Ort zu sein. Und statt diese seltene Möglichkeit für konstruktiven Austausch zu nutzen, müssen in unseren Schulen und Unis alle stillsitzen und lauschen. Wenn man etwas nicht versteht: Pech gehabt. Man will die anderen ja nicht aufhalten. Muss man halt mitschreiben und später ohne die Hilfe der anderen oder des Lehrers zu verstehen versuchen.

Das Inverted Classroom Model wird hier noch einmal kurz und knackig von der Freien Hochschule Berlin erklärt.

Das Lernvideo ist nur Mittel zum Zweck

Mein persönlicher aktueller Ansatzpunkt ist neben oben erwähnten Artikel auch, dass ich bei BuGaSi nun häufiger bei der Lernvideoproduktion zur Hand gehe. Mein Part ist dabei selbstverständlich hauptsächlich das Texten, manchmal aber sogar auch das Sprechen.

Ein sehr gewöhnungsbedürftiges Unterfangen, sich selbst zu vertonen und vor allem sich selbst auf Knopfdruck (a.k.a. Klick) anhören zu können. Für Synkronsprecher, Youtuber oder Hobbymusiker ist es das vielleicht nicht, aber für Menschen wie mich, die sich selber äußerst selten selbst anhören, ist es das sehr wohl. Daher kann ich mich auch in die Rolle des E-Dozenten nun besser hineinversetzen, dem es vielleicht schwerer fällt einen Videovortrag für seine Studenten bereit zu stellen, als spontan eine Schulstunde live vor deren Augen abzuhalten. Zur persönlichen Überwindung kommt noch hinzu, dass Videoproduktion ganz schön zeit- und arbeitsaufwändig ist. Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?

Sebastian Schmidt erzählt in seinem witzigen bis aufschlussreichen Beitrag von der Inverted Classroom Konferenz 2017 über seine vierjährige Erfahrung mit dem Flipped Classroom. Er hebt dabei hervor, dass die Erklärvideos dabei mehr und mehr an Bedeutung verloren haben, was vielleicht erst einmal entäuschend für jemanden ist, der solche Videos im Schweiße seines Angesichts erstellt. Allerdings sind und bleiben die Videos ein wichtiges Mittel für die erfolgreiche Umsetzung des ICM.

Die Interaktiven Lernvideos die wir derzeit bei BuGaSi erstellen, unterscheiden sich noch einmal von der Video-Vorlesung. Unsere E-Learning Videos kann man eher als interaktive Erklär-Videos verstehen, bei denen der Zuschauer durch Zwischenfragen oder Quizzes dazu angehalten ist aufmerksam zu bleiben und gerade Rezipiertes noch einmal Revue passieren zu lassen. Auch hier geht es darum die Selbstlernmotivation zu erhöhen, dem Lernenden zu helfen seinen Lernprozess zu strukturieren.

BuGaSi-TIPP

Lehrenden, die Lernvideos – egal ob im Erklär- oder Vorlesungsverschnitt – einsetzen möchten, sei ans Herz gelegt: Gamification-Elemente im digitalen, sowie analogen Unterricht einsetzen! Der Lerninhalt wird statt langweilend als unterhaltend und bestenfalls interessant wahrgenommen. Gamification motiviert und bewegt den Lernenden dazu sich auf die nächste Präsenzveranstaltung, Prüfung oder Wettbewerbssituation besser vorzubereiten.

Lernen durch Lehren

Nun will ich aber nicht länger auf den Videos herumreiten, denn mittlerweile weiß ich: Das Lernvideo ist nicht die zentrale Innovation beim ICM. Und ein Klassenzimmer umzudrehen, ist es auch nicht. Man dreht das Lernen an sich um – Das ist die Innovation. Die Verantwortung für das Lernen, wird den Lernenden übertragen.

Der Lehrer funktioniert nicht mehr als zentraler Wissensvermittler, sondern als Coach. Er betet nicht mehr den Stoff herunter, sondern gibt den Lernenden auch bei der Präsenzveranstaltung die Möglichkeit sich gegenseitig Inhalte zu erklären und Fragen weitestgehend selbst zu klären. Lösungen vorsagen ist damit natürlich nicht gemeint, der Coach darf hier eingreifen.

In so einem aktiven Plenum, in der der Coach eher als Beobachter und Hilfestellung an den Rand des Geschehens rückt, lernen die Studierenen nicht nur Lerninhalte kennen, sondern vor allen Dingen ihren Lernprozess selbst zu organisieren.

Wie komme ich denn nun auf die Idee, dass unsere Lernvideos etwas mit ICM zu tun haben könnten?

Lernvideos sind nur ein Teil unserer E-Learning Kurse. Natürlich ist es mit Video anschauen und ein paar Fragen durchklicken noch nicht getan. Wir konzipieren ganze Lernstrecken, denn uns ist klar das der Lernprozess länger dauert als ein 5-Minuten Video. Um etwas langfristig zu verinnerlichen, muss man sich auch über längeren Zeitraum damit befassen, Gelerntes anwenden, es üben und mit anderen darüber austauschen.

Die Präsenzveranstaltung fällt beim E-Learning Kurs im Normalfall leider weg, obwohl es beim ICM besonders darum geht, diese effizienter zu nutzen. Doch man kann auch online Abhilfe schaffen: Durch Chats, Messanger, Foren, Konferenzen. Wir plädieren außerdem gerne für eine Blended Learning Lösung, falls es sich anbietet. Denn unsere Online-Kurse lassen sich problemlos und sinnvoll mit Präsenzseminaren kombinieren. In denen kann man ähnlich wie beim Inverted Classroom, den Lernenden das Zepter in die Hand geben, damit sie Lösungswege selbst entwickeln, Gelerntes anwenden und sich selbst ausprobieren können.


Möchten Sie mehr Infos zu dem Thema Inverted Classroom?

Melden Sie sich bei uns, wenn Sie unverbindliche Beratung auf dem Gebiet brauchen.
Zum Kontaktformular

Melden Sie sich für den Newsletter an, um über unsere Entwicklungen und Angebote auf dem Laufenden zu bleiben.
Zum Newsletter anmelden

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.