Erfolgsstudien zeigen wie erfolgreich E-Learning heute sein kann.

Das E-Learning ABC – E wie Erfolg

E wie Erfolg

E-Learning ist irgendwie noch neu und dann doch auch wieder nicht so neu. Aber Skepsis besteht noch, denn immerhin war früher alles besser. Oder nicht? Es ist zugegebenermaßen ein bisschen schwierig, E-Learning richtig einzuschätzen. Die Forschung kommt natürlich erst erst nach einigen Jahren Erfahrungen mit E-Learning mit empirischen Erfolgsstudien voran, da man Probanden braucht. Man neigt daher vor allem zu persönlichen subjektiven Einschätzungen. Dabei lässt sich E-Learning gut mit der klassischen Präsenzlehre vergleichen. Auch wir bei BuGaSi haben schon einige Gegenüberstellungen der Vor- und Nachteile im Blog angestellt.

Unser Ergebnis ist dabei grundsätzlich, dass E-Learning genau wie die klassische Lehre erfolgreich sein kann, wenn sie gut gestaltet sind. Beim E-Learning hat man zusätzlich allerdings die freie Wahl von Ort und Zeit zum Lernen und wesentlich mehr Anpassungsmöglichkeiten an persönliche Lernpräferenzen. Das sind besonders gute Vorraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Doch betrachten wir nun einmal exemplarisch zwei umfangreiche E-Learning-Erfolgsstudien:

Potenziale von e-Learning-/Blended-Learning-Lösungen

Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)

Elf Fallbeispiele wurden untersucht, darunter private, sowie öffentliche Bildungsträger, Unternehmen und Organisationen. Unter anderem wurde das Projekt Classroom 2000 der Nordirischen Regierung, bei dem 1.230 Schulen des Landes mit einer vernetzten Lernumgebung ausgerüstet wurden, analysiert.

Um die Nutzenpotenziale von E-Learning zu erfassen, wurden in dieser Studie die Eigenschaften von Medien und Einsatzszenarien mit den Zielen der Organisation in denen die Bildungsmaßnahme stattfand ins Verhältnis gesetzt. Dabei kam man zu folgenden Ergebnissen:

  1. Die Bandbreite von E-Learning Lösungen ist unheimlich groß. Formate müssen je nach Einsatzbedingung und Ziel eingesetzt werden, um ihr Potenzial voll ausschöpfen zu können.
  1. Je Schwieriger das räumliche Zusammenbringen der Lernenden ist und je größer die Lerngruppe, desto kosteneffizienter ist E-Learning
  1. Eine Qualitätssteigerung des Lernens ist möglich, da beispielsweise eine Individualisierung des Lernens stattfindet, Inhalte besser visualisiert werden können und arbeitsbegleitende Fachdiskussionen in Online-Communities stattfinden können.
  1. Viele Fomen des E-Learnings verbinden selbstständiges individualisiertes Lernen durch zeitlich und räumlich unbegrenzte Kommunikationsmöglichkeiten mit intensiver Betreuung.
  1. Um Expertenwissen heute kontinuierlich auf einem aktuellen Stand halten zu können, ist E-Learning das Mittel der Wahl. Arbeitsorientiertes Lernen in der Wissensgesellschaft ist anders nicht in vergleichbarer Qualität zu organisieren.
  1. Der PC ist häufig das einzige Medium, dass es erlaubt multimediale Inhalte, wie Text, Ton, Bild, Video und Animation für das situative, explorative Lernen bereitzustellen.
  1. Durch automatisierte programmatische Rückmeldungen und netzgestützte Kommunikation, können Rückfragen und Probleme häufig auch ohne das Zutun des eines Experten geklärt werden.
  2. Für erfolgreiches E-Learning müssen die infrastrukturellen Voraussetzungen, sowie die subjektive Bereitschaft und Medienkompetenz bei allen Beteiligten gegeben sein. Die Lernenden müssen zudem ein hohes Maß an Selbstlernkompetenz mitbringen.
  3. Wenn die Voraussetzungen für E-Learning in einer Organisation nicht gegeben sind, sollte das nicht unhinterfragt akzeptiert werden. Mit Blick auf die Erfordernisse der Wissensgesellschaft, kann allein die Herstellung der Voraussetzungen ein wichtiger Schritt in der Organisationsentwicklung sein.

Das Fazit:

E-Learning hat großes Erfolgspotenzial bei der Vermittlung von Lerninhalten. Es ist in der heutigen Wissensgesellschaft nicht wegzudenken und nicht ersetzbar. Die große Hoffnung auf Kostenersparnisse, die in der anfänglichen Euphorie durch E-Learning aufkam, wird jedoch etwas relativiert. So wird ermittelt, dass größere aufwendige E-Learning Angebote erst dann kosteneffizient sind, wenn sie einer großen Gruppe und/oder über langen Zeitraum zur Verfügung stehen.

Wer profitiert von Massive Open Online Courses (MOOCs), und warum?

Eine Studie der Harvard Universität

In der oben beschriebenen Studie wurden keine Moocs beleuchtet. Die Harvard Universität hat das vor 2 Jahren aber ausführlich gemacht, deshalb fasse ich hier kurz zusammen, welche erstaunlichen Ergebnisse sie herausbekommen haben.

Video zur Studie (auf Englisch)

Zunächst fiel auf, dass von mehr als 25 Millionen Menschen, die sich in den letzten drei Jahren (vor der Studie) weltweit in MOOCs einschrieben, nur etwa 4 % die Kurse auch beendeten. Schon deshalb wurden MOOCs äußerst skeptisch betrachtet.

Es fällt zudem auf, dass 80% bei Einschreibung bereits ein Bachelor-Studium in der Tasche hatten, 60 % Vollzeit arbeiteten und 60 % aus OECD Ländern kamen. Die Wissenschaftler hielten die Annahme, die sich daraus ergab, dass MOOCs meistens nicht erfolgreich verliefen und wenn überhaupt nur Bessergestellte weiterbringe jedoch für zu pessimistisch.

An einer weltweiten Befragung von MOOC-Absolventen, nahmen 52.000 Menschen teil. Man unterteilte sie in zwei Gruppen: Zum einen diejenigen, die hauptsächlich daran interessiert waren Ihre berufliche Situation durch die Teilnahme an einem MOOC zu verbessern. Das waren größtenteils Teilnehmer aus Entwicklungsländern und diese Gruppe machte 52 % der Befragten aus. Zum anderen die diejenigen die einen Nutzen für ihre persönliche Bildung aus dem MOOC ziehen wollten.

Die Ergebnisse zeigen, dass auch die andere Gruppe zu 88% ihr akademisches Ziel erreichte, etwa Creditponts für das Studium zu sammeln, sich für ein Studienfach zu entscheiden, auf ein Examen vorbereiten oder dergleichen. Knapp die Hälfte dieser Gruppe waren zum Zeitpunkt der Einschreibung auch als traditionelle Studenten eingeschrieben. Davon konnten wiederum 94 % (!) von Bildungsvorteilen berichten, die sie durch den MOOC erlangten.

Das Fazit:

Insgesamt kamen die Wissenschaftler aus Harvard zu dem Ergebnis, dass in beiden Gruppen vor allen Dingen Teilnehmer aus Entwicklungsländern von Vorteilen durch die MOOCs berichteten. In den Entwicklungsländern konnten zudem vor allem Teilnehmer mit niedrigerem Bildungslevel und niedrigem sozialökonomischem Status von den MOOCs profitieren. Das bestätigt die anfängliche Hoffnung, dass MOOCs vor allem den weniger Gutgestellten eine lebensverändernde Chance bietet.

Obwohl das MOOC-Angebot nur Menschen mit Internetzugang zur Verfügung steht, bringt es also bereits heute eine Veränderung der Bildungslandschaft. Offen bleiben die Fragen, wie man Teilnehmer dazu motivieren kann, die Kurse auch zu beenden. Und in wie weit auch Teilnehmer von den Kursen profitieren konnten, die den MOOC abbrachen.

Erfolg von E-Learning selber messen!

Setzen Sie E-Learning selber ein, lohnt es sich die Ergebnisse zu evaluieren, um einen Vorher-Nachher-Vergleich anstellen zu können. Erst nach einer aussagekräftigen Bewertung können gegebenenfalls Anpassungen an der E-Learning Strategie vorgenommen werden. Zur Evaluierung von Trainings und Schulungen wird auch heute noch häufig das 1959 von Donald Kirkpatrick entwickelte Rahmenmodell angewandt. Dieses beschreibt zwar nicht die Messmethoden, jedoch die zu messenden Inhalte. Messmethoden können beim E-Learning sehr unterschiedlich ausfallen, man kann etwa Fragebögen vor und nach dem Kurs beantworten lassen, Tests durchführen, Umfragen nach einzelnen Kursabschnitten machen, oder Feedback in Form von selbstproduzierten Videos, oder E-Mails erbitten. Kirkpatricks Modell basiert auf den folgenden vier Ebenen:

Reaktion

Hierbei wird die Zufriedenheit des Lernenden mit dem Seminar gemessen. Dabei wird beispielsweise erfragt, ob der Teilnehmer zufrieden mit den zur Verfügung gestellten Materialien oder dem Trainer war. Ob die Maßnahme gut gestaltet und als relevat wahrgenommen wird. Und ob die Herausforderungen und der Schwierigkeitsgrad angemessen war. Die Zufriedenheit der Teilnehmer wird als wichtier Wirkfaktor für den Erfolg verbucht, beleuchtet aber nicht alle Ebenen.

Lernen

Dieser Punkt hinterfragt gezielt, ob eine Maßnahme zur Wissenzunahme beim Teilnehmer geführt hat. Dafür müssen schon im Vorfeld Die Lernziele klar definiert sein und der Wissensstand der Teilnehmer vor und nach der Maßnahme gemessen werden.

Verhalten

Neues Wissen wird nicht automatisch auch im Alltag angewendet. Genau darauf zielen Weiterbildungsmaßnahmen jedoch ab. Auf dieser Ebene wird deshalb der Transfer des Gelernten auf den Arbeitsalltag gemessen.

Ergebnisse

Hier geht es nicht mehr nur um Veränderungen im Bezug auf eine einzelne Person, sondern um Veränderungen auf organisationaler Ebene. Es wird bewertet, ob die Organisation oder das Unternehmen durch die Maßnahme effizienter oder produktiver wird. Beispielsweise, ob die Kundenzufriedenheit steigt, oder ob es durch weniger Fehler zu merklichen Einsparungen kommt.

Der Diplompsychologe Dr. Johannes Moskaliuk stellt eine Checkliste zur Verfügung, um die Evaluation von eLearning erfolgreich durchzuführen. In gekürzter Fassung sieht sie wie folgt aus:

  • Was sind die Ziele des Projektes, das evaluiert werden soll?
    Um einen Vorher-Nachher-Vergleich anstellen zu können, muss im Vorfeld ein Ist- und Soll-Zustand ermittelt werden. Die Lern- und Entwicklungsziele müssen klar definiert sein.
  • Was sind die Erfolgskriterien?
    Es muss entschieden werden welche Kriterien zur Ermittlung der erreichten Ziele wichtig sind. Das können subjektive Kriterien sein, wenn man beispielsweise auf Mitarbeitezufriedenheit abzielt. Oder man erhebt objektive Kriterien, wie die Steigerung der Verkaufszahlen bei einem Vertriebstraining.
  • Welche Messmethoden werden eingesetzt?
    Die Messmethoden müssen festgelegt werden. Je mehr Datenquellen man dabei hat, desto präziser das Erebnis. Nicht Vergessen: Die Befragung der Teilnehmer zur Zufriedenheit führt zu einem subjektiven Ergebnis und sagt nicht zwangsläufig etwas über den Lernerfolg aus.
  • Wer ist von der Maßnahme betroffen?
    Neben den Teilnehmern können häufig noch andere Betroffene zur Evaluierung beitragen, etwa Vorgesetzte, Kunden, Trainer oder E-Learning-Anbieter.
  • Wird die Evaluation intern oder extern durchgeführt?
    Es kann Vorteile haben, wenn die Evaluation intern stattfindet. Zum Beispiel kennt der Verantwortliche die genauen Anforderungen an die Maßnahme und das Lernziel, das gesetzt war. Externe Personen bringen hingegen eine objektivere, distanziertere Sicht auf die Dinge mit.
  • Wer interpretiert die Ergebnisse?
    Wer bestimmt, ob die Evaluierungsergebnisse erfolgreich sind, oder nicht und wie transparent sollen die Ergebnisse sein? Sollen beispielsweise neben den Verantwortlichen auch Teilnehmer Einsicht in die Ergebnisse bekommen? Das sollte ebenfalls schon im Vorfeld geklärt sein.
  • Bestehen ethische und rechtliche Bedenken?
    Besonders um datenschutzrechtliche Bedenken auszuräumen sollte die Evaluierung anonymisiert stattfinden. Bei betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen rät es sich den Betriebs- oder Personalrat mit einzubeziehen.
  • Lohnt sich eine Evaluation?
    Evaluation von E-Learning-Maßnahmen ist mittlerweile Standart und wird auch oft von Auftrag- und Geldgebern gefordert. Dabei ist jedoch der Aufwand zu bedenken, der bei den Teilnehmern entsteht. Deshalb sollten die Ziele der Evaluation, genau wie die Ziele der E-Learning-Maßnahme schon im Vorfeld festgelegt werden.

Gesammelte Studien zum Thema E-Learning:

Deutscher Bildungsserver
Leibniz-Institut für Wissensmedien


Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Blogparade. Dabei werden bis Dezember 2017 alle Buchstaben des Alphabets abgehandelt und so viele Begriffe wie möglich aus dem Bereich E-Learning erklärt. Jeder ist eingeladen mitzumachen!


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One thought on “Das E-Learning ABC – E wie Erfolg

  1. Ein schöner Rund-/Ein-/Durchblick – und ganz richtig: Es wird Zeit, dass der Erfolg von E-Learning Maßnahmen nicht nur „aus dem Bauch“ heraus beurteilt werden.

    Herzliche Grüße
    Anja (Röck)

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